Home Anfahrt.htm Kontakt.htm praxisteam.htm Sprechzeiten.htm Pflichtangaben.htm ..\Individuelle Gesundheitsleistungen.htm Aktuelles.htm 

 

 

 zurück

 

 

Vorgeburtliche Untersuchungen (Pränataldiagnostik)

2 bis 3 Prozent aller Kinder kommen mit einer Behinderung bzw. Mißbildung zur Welt. Häufig handelt es sich um nicht bedrohliche Probleme oder solche, die durch eine kinderchirurgische Operation behoben werden können. Mit Ultraschall und Analyse des Erbguts können gut 80 Prozent aller Mißbildungen vorgeburtlich erkannt werden. Eine Garantie, dass das Kind gesund sein wird, kann die Medizin somit nicht abgeben.

karyotyp.jpg (13898 bytes)Bei der Pränataldiagnostik im engeren Sinne geht es darum, das Erbgut des ungeborenen Kindes während der Schwangerschaft zu kontrollieren. Die häufigste Störung ist das sogenannte Down-Syndrom (Trisomie 21, früher als Mongolismus bezeichnet), bei welchem vom drittkleinsten Erbgutträger (Chromosom 21, im Bild Kreis markiert) in jedem Zellkern drei statt zwei Kopien vorliegen. Die Häufigkeit des Down-Syndroms hängt vom Alter der Mutter ab (Risiko einer 20jährigen: 1 zu 1700, einer 35jährigen: 1:300, einer 40jährigen: 1:80).

Pränataldiagnostik ist ein heikles Thema, welches Emotionen schürt und nicht immer rational diskutiert werden kann. Unsere als Kleinfamilie strukturierte Gesellschaft, in welcher intellektuelle Leistung belohnt wird, kann die Geburt eines schwer behinderten Kindes nicht immer befriedigend auffangen. Die werdenden Eltern haben grundsätzlich drei Möglichkeiten:

bullet

Wir wollen sicher wissen, ob unser Kind punkto Erbgut gesund ist:
Fruchtwasserpunktion oder Chorionbiopsie durchführen lassen.

bullet

Wir werden unser Kind akzeptieren, wie es ist:
Keine
vorgeburtliche Diagnostik machen. Die Gesellschaft darf auf keinen Fall einen Druck ausüben, dass man Pränataldiagnostik machen sollte, um "unwertes" Leben zu verhindern.

bullet

Wir sind noch unsicher:
Ersttrimester-Test (NT-Test)durchführen. Dieser ist einfach und risikolos, stellt aber keine sichere Diagnose.

 

 zurück

 

 

 

 

 

 

 

Fruchtwasserpunktion (Amniozentese)

Die Amniozentese wird üblicherweise zwischen der 15. und 16. Schwangerschaftswoche durchgeführt. Dabei werden mit einer dünnen Nadel die Fruchthöhle punktiert (angestochen) und ca. 12-15 ml Fruchtwasser abgesaugt. Das entnommene Fruchtwasser bildet sich in kurzer Zeit wieder neu. Die Punktion erfolgt unter Ultraschallkontrolle, so dass eine Verletzung des Kindes heute nicht mehr vorkommen sollte. Das Risiko einer Fehlgeburt nach Amniozentese beträgt ca. 0,5% (1 auf 200) und muss gegen das individuelle Risiko einer Erbgutstörung beim Kind abgewogen werden.Fruchtwasserpunktion

Nach der Punktion sollten Sie sich 24 Stunden schonen. Leichtes, menstruationsähnliches Ziehen und leichte Blutungen aus der Scheide können vorkommen; bei stärkeren Schmerzen oder Blutungen (sehr selten!) sollten Sie mich jederzeit kontaktieren . Das Resultat erhalten Sie und ich nach 3-4 Wochen gleichzeitig. Ein Schnelltest (FISH-Test) kann auf Wunsch innerhalb 24 Stunden durchgeführt werden.Sie können wählen, ob das Labor Ihnen auch das Geschlecht des Kindes bekanntgibt.

Die Untersuchung wird von der Krankenkasse nur bei erhöhtem Risiko (Alter der Mutter über 35, positiver Ersttrimester-Test, familiäre Belastung mit Erbkrankheiten) übernommen.

 

Risikoermittlung im zweiten Schwangerschaftsdrittel: Der Triple-Test

Aus historischen Gründen ist der Triple-Test nach wie vor bekannt und kommt gelegentlich noch zur Anwendung. Allerdings ist seine Genauigkeit der Diagnostik im ersten Schwangerschaftsdrittel unterlegen: Der Triple-Test ist ein Suchtest auf Down-Syndrom ("Mongolismus") und offenen Rücken (Spina bifida) sowie bestimmte andere chromosomale Störungen. Hierbei werden 3 Eiweißstoffe (AFP, hCG, freies Östriol) im mütterlichen Blut gemessen, mit der „Normalkonzentration" in der entsprechenden Schwangerschaftswoche verglichen und unter Einbeziehung des mütterlichen Entbindungsalters zu einer Risikozahl für das Auftreten bestimmter Chromosomenstörungen und des "offenen Rückens" verrechnet. Er wird ab der 15. Schwangerschaftswoche (14 abgeschlossene Wochen + 1 Tag) durchgeführt.

Der Test findet identifiziert solche Schwangere, bei denen das individuell ermittelte Risiko höher liegt als das einer 35jährigen Schwangeren. Durch den Test kann die eigentliche Diagnose nicht gestellt werden, aber 60-70% aller Down-Syndrom-Schwangerschaften können hierdurch statistisch als Risikogruppe definiert werden. Ein auffälliges Testergebnis bedeutet also nicht, daß hier eine Schwangerschaft mit einer Chromosomenveränderung vorliegt, sondern lediglich, daß diese einer Risikogruppe angehört: Bei den meisten Frauen in dieser Risikogruppe ist kein chromosomal auffälliges Kind zu erwarten. Es sollten aber hier gezielt weitere Untersuchungen erfolgen und dies bedeutet bei dem Befund einer erhöhten Risikodichte für ein Down-Syndrom die Durchführung einer invasiven Diagnostik in Form der Fruchtwasseruntersuchung. Primäres Ziel ist es, den aus der Triplediagnostik erwachsenen Anfangsverdacht eines Down-Syndrom sicher auszuschließen.

                                                                     nach oben

Risikoermittlung im ersten Schwangerschaftsdrittel: Der Ersttrimester-Test (NT-Test)

Seit der Einführung des Triple-Tests vor rund 10 Jahren konnten reichhaltige Erfahrungen im Umgang mit diesem gesammelt werden: Im Vergleich zur reinen Altersindikation (Entdeckungsrate Down-Syndrom: 30%) als Entscheidungsgrundlage für die Durchführung einer Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese) ist die Empfindlichkeit des Triple-Tests (Entdeckungsrate Down-Syndrom: 60-70%) mehr als doppelt so hoch. Allerdings ist die Genauigkeit (Spezifität) des Test recht niedrig: Eine Vielzahl von eigentlich ein gesundes Kind tragenden Frauen werden (fälschlich) als positiv getestet, dadurch nachhaltig verunsichert und u.U. einer im Nachhinein als unnötig zu beurteilenden Amniozentese zugeführt. Diese hat in ca. 0,5% (= ein Fall von 200 Testpositiven) unerwünschte Nebenwirkungen bis hin zu einer Fehlgeburt. Nutzen-Risiko-Kalkulationen haben ergeben, dass die Rate der durch den Triple-Test zusätzlich entdeckten Kinder mit Down-Syndrom und die der infolge einer (unnötigen) Amniozentese verursachten Fehlgeburten sich beinahe die Waage halten. Aus diesen Erfahrungen heraus erwuchs folgender Bedarf: Ein mütterlicher Blut-Test sollte gefunden werden, der früher und mit einer höheren Genauigkeit von einem Down-Syndrom betroffene Kinder zu identifizieren imstande ist.

Dieses neue Verfahren zur Risikopräzisierung bestimmter Chromosomenstörungen, welches bereits im ersten Drittel der Schwangerschaft (Erstes Trimester) eingesetzt werden kann, steht mittlerweile zur Verfügung: Díe Ersttrimester-Nackentransparenz-Testung.

Bei diesem Verfahren handelt es sich um eine Kombination aus einer speziellen Ultraschalluntersuchung, dem mütterlichen Altersrisiko und Blut- (biochemische) Analysen.
Bei der speziellen Ultraschalluntersuchung in der 12.-14. Schwangerschaftswoche (der Test kann zwischen der 11+4 und der 13+6 Schwangerschaftswoche durchgeführt werden) wird die sog. Nackentransparenz des Embryos (engl. Nuchal Translucency oder NT genannt) gemessen. Diese Struktur tritt normalerweise bei fast jedem Kind in diesem Schwangerschaftszeitraum auf, beträgt im Durchschnitt etwa 1-2mm (Mittelwert: 1,5 mm) und entwickelt sich mit zunehmendem Schwangerschaftsalter wieder zurück. Ist jedoch diese Nackentransparenz größer als gewöhnlich (zeitabhängig ab je nach Schwangerschaftsalter 2 bis 3 mm), so kann dieses ein deutliches Zeichen auf das mögliche Vorliegen einer Chromosomenstörung beim Kind sein -> Das Risiko hierfür ist erhöht.

Für die Blut-Analyse werden 2 Substanzen untersucht: Das freie ß-hCG und das PAPP-A. Diese sind Ausdruck der Lebenskraft der hier im Einzelfall vorliegenden Schwangerschaft: Ihr Herkunftsort ist das ungeborene Kind. Veränderungen in ihrer Konzentration bezogen auf eine Normalkonzentration (Median) sind als Hinweis darauf zu werten, daß Chromosomenveränderungen vorliegen können.


Die biochemischen (=aus dem mütterlichen Blut stammenden) und die Ultraschalldaten werden unter Berücksichtigung des mütterlichen Altersrisikos zu einem Gesamtrisiko verrechnet. Da dieses abschließende Ergebnis am gleichen Abend der Ultraschalluntersuchung vorliegt und am Folgemorgen erfragt werden kann, können im Falle einer auffälligen Testung weitere Untersuchungen wie die frühe Amniocentese oder die Chorionzottenbiopsie (CVS) rasch erfolgen. Dadurch gewinnen Sie, als Schwangere und ich, als Ihr Arzt Zeit, um über das weitere Vorgehen zu entscheiden.


Die Leistungszahlen der Ersttrimester-Testung sind wie folgt: Eine Studie mit 100.000 Schwangerschaften ergab, daß in 72% aller Schwangerschaften mit einer Trisomie 21 des Feten die Nackentransparenz in der 11. bis 14. SSW oberhalb eines Grenzwertes der Normalverteilung lag. Bei Anwendung einer kombinierten Risikoabschätzung mit Hilfe der Bluthormonbestimmung, dem mütterlichen Alter und der fetalen Nackentransparenz werden rund 90% aller Schwangerschaften mit einem Down-Syndrom im ersten Schwangerschaftsdrittel als im Test auffällig erkannt (bei einer generellen Rate von 5% Schwangeren, die im Test fälschlich als auffällig eingeschätzt werden). Umgekehrt ausgedrückt, entgeht ein von 10 der tatsächlich von einem Down-Syndrom betroffenen ungeborenen Kinder einer derartigen Testung. Der Test stuft eine Schwangerschaft als auffällig ein, wenn die abschließenden Risikoeinschätzung einen Wert von 1:300 oder höher (1:200, 1: 150, 1:100 ....) ergibt. Auch hier bedeutet ein auffälliges Testergebnis nicht, dass das ungeborene Kind am Down-Syndrom erkrankt ist. Vielmehr bedeutet es, dass in dieser individuell vorliegenden Schwangerschaft eine höhere Risikodichte für das Down-Syndrom vorliegt als das Risiko für das Vorliegen eines Down-Syndroms, was ein 35-jährige Frau trägt. Von allen Schwangeren, die als auffällig getestet werden, und die in der Konsequenz eine weiterführende invasive Diagnostik zum sicheren Ausschluß eines Down-Syndroms in Anspruch nehmen, haben lediglich 3% tatsächlich ein Kind mit Down-Syndrom. Somit ist diese Suchstrategie der kombinierten Nackentransparenzmessung mit der Hormonbestimmung die früheste, empfindlichste und genaueste Methode, nach einer Chromosomenstörung (und darüber hinaus auch körperlichen Störung) zu fahnden.

 

 

Beispiel: 35jährige Mutter, altersabhängiges Risiko 1 : 280

Testresultat

Interpretation

1 : 2'100
("negativ")

Down-Syndrom unwahrscheinlich, auf eine Fruchtwasserpunktion könnte verzichtet werden.

1 : 80
("positiv")

Down-Syndrom wahrscheinlicher als Altersrisiko, Fruchtwasserpunktion dringend empfohlen. Die Krankenkasse wird die Untersuchungskosten übernehmen.

1 : 300

Testrisiko entspricht in etwa dem Altersrisiko. Der Triple-Test hat uns mit anderen Worten nicht weitergeholfen, die Entscheidung zur Fruchtwasserpunktion bleibt offen.

 zurück                                     nach oben

 

 

Für und Wider

?

Ob ein Ersttrimester-Test (NT-Test) und/oder eine Amniozentese sinnvoll sind, werden wir mit 10-12 Wochen in einem ausführlichen ärztlichen Gespräch diskutieren. Der werdende Vater ist - wie zu allen Kontrollen - herzlich dazu eingeladen. Entscheidend ist, dass Sie nach umfassender Aufklärung durch Ihren Arzt jene Untersuchungen machen lassen, die es Ihnen ermöglichen, für den Rest Ihrer Schwangerschaft ruhig zu schlafen.

 

Für weitere Fragen zum Thema Nackentransparenzmessung und vorgeburtliche Diagnostik wenden Sie sich bitte an unser Team. Wir werden Sie Ihnen gerne beantworten.

zurück                                             nach oben